Pfalz | Die Deutsche Weinstraße (Wandermagazin, Heft: 182)

In diesem Beitrag nimmt uns Michael Sänger vom Wandermagazin mit auf eine Wanderung über die Deutsche Weinstraße in der Pfalz. Erfahren Sie mehr über das Pfälzer-Bergland, den Pfälzer-Wald, die Rheinebene sowie die Altrheinregion, begleitet von einer beeindruckenden Bilderstrecke …

Die Pfalz und die Pfälzer

Ja, das ist meine Heimat. Wann immer ich auf meinen Reisen nach Süden hinter Worms rechter Hand am Horizont die Haardt, jene östliche Steilkante des Pfälzerwaldes als geschwungene, weiche Relieflinie erblicke, wird mir warm ums Herz. Die Pfälzer sind stolz auf ihre Pfalz, ihren Wein, ihren Wald, ihre Burgen und Felsen. Zugegeben, pfälzisches Temperament ist so hemdsärmlig wie der Dialekt. Aber die Pfälzer sind fröhliche und vor allen Dingen gesellige Menschen. In den Weinstuben, den Pfälzerwald-Hütten hockt man dicht beisammen. Schnell wird der Gast integriert und spätestens bei der zweiten Rieslingschorle sind alle Verständnisschwierigkeiten verflogen.


Es ist auch eine Welt der kulinarischen Genüsse. Der Vierklang aus Pfälzer Bergland, das sich westlich und nördlich um den Pfälzerwald legt, dem Pfälzerwald als Herzstück, der Deutschen Weinstraße als Bindeglied zwischen Wald und Rheinebene und dem flachen, aber breiten Gemüse- und Obstgarten der Pfälzer bis zu den urwaldähnlichen Altrheinarmen und dem Rheinufer ist in Deutschland einzigartig. Eine Wandervielfalt, ein Abwechslungsreichtum, eine virtuose, variantenreiche Kulissenwelt.

Hier massige Buntsandsteintürme, die aus dem Blätterdach des Waldes herausragen, nicht wenige davon burggekrönt, dort diese ausgedehnten Hügelteppiche des Pfälzer Berglandes, wo aberhunderte Hügel und Kuppen das Blickfeld vom Vordergrund bis zum Horizont staffeln.

Wie oft habe ich den Donnersberg bestiegen! Ein Hauch von keltischer Magie umweht sein Haupt, die Sonnenauf- und -untergänge von seinen Gipfeln sind berühmt. Dann die Weinstraße. Bezaubernde kleine Winzerdörfer ducken sich in sanfte Bergfalten. Hinter jedem Bach, der aus dem Pfälzerwald fließt, steckt bestimmt eines der ellenlangen Waldtäler. Weinrebenspaliere wohin das Auge Richtung Rheinebene blickt. Hier schmeckt die Luft nach Sekt, nach Lebenslust und Sonnenschein. Selbst der große Gemüsegarten der Pfalz, mit den Tabakfeldern, den Obstwiesen ist voller eindrucksvoller Naturbühnen.

 

Natürlich muss ich ganz besonders meinen Bienwald empfehlen, dessen schiere Größe und Artenvielfalt viele Jahre meiner Kindheit und frühen Jugend prägte. Dann die Altrheinarme, wo sich die Natur im zähen Ringen mit dem Menschen Biotop für Biotop zurückgeholt hat. Wo es im Frühjahr und Frühsommer ein schier ohrenbetäubendes Vogelkonzert gibt, wo die Amphibien um die Wette quaken. Ach, wie ist es schön in meiner Pfalz und ich bin stolz, ein Pfälzer zu sein.

Die Deutsche Weinstraße – Wandern in der Pfalz

Vom Wein umgeben, vom Pfälzerwald überragt – sie gilt als Toskana Deutschlands. Dazwischen kuscheln sich schmucke Weindörfer mit Winzerhöfen und Weinstuben. Zwischen dem Deutschen Weintor in Schweigen und Bockenheim im Norden der Pfalz erstreckt sich das knapp 15 km breite und 85 km lange Hügelmosaik der Deutschen Weinstraße.

An der Weinstraße blüht es stets zuerst. Bereits Anfang März tragen tausende Mandelbäume scheinbar rosarote Wattebäusche. Dann gesellen sich Kirschen, Äpfel, Pfirsiche und all die südländischen Früchte dazu, die sich von der pfälzischen Sonne verwöhnen lassen.

Rund um Edenkoben ist die Mandelblüte besonders eindrucksvoll. Die Villa Ludwigshöhe im Hintergrund erinnert an die Zeit, als die Pfalz zu Bayern gehörte.

Wenn die Rebstöcke „Grün“ tragen und der Himmel an die weiß-blaue Vergangenheit erinnert, dann ist Weinwandern angesagt. Junge, pfiffige Winzer haben dem Pfalzwein zum Einzug in die Gourmettempel der Welt verholfen. Riesling, Silvaner, Grau- und Weißburgunder gehören zu den häufigsten Rebsorten. Bei den Rotweinen haben sich Spätburgunder und Dornfelder behauptet.

Pfälzerwald

Wohin Du auch schaust – Wald und nochmals Wald. Der Pfälzerwald ist die grüne Lunge der Pfalz. Buntsandsteinfelsen, Burgen, Türme und Wanderhütten liefern die Hingucker. Einsame Bachtäler, stille Weiher und der Wald steht stumm und schweigt. Diesen genialen Fotoblick hat man von der Wegelnburg bei Schönau im Dahner Felsenland. Plötzlich tauchen Weiher, die man hier Woog nennt, aus dem Wald auf. Sie wurden im 15./16. Jahrhundert angelegt und fügen sich inzwischen ganz natürlich ins Waldmeer.

Eindrucksvoll auch das Miteinander von Buntsandsteinfelsen und Wald. Buntsandstein ist das dominierende Gestein im Pfälzerwald. Oft sind dicke Kieselsteine wie in den Fels gebacken.

Dann wieder findet man eine Galerie aus Minihöhlen, als habe ein Riese den rostroten Fels mit der Picke perforiert. Himmelhoch ragen sie auf, bieten Platz für Durchlässe und Kamine. Viele sind sogar begehbar. Das Karlstal bei Trippstadt zählt zu den schönsten Bachtälern des Pfälzerwaldes. Die von der Moosalb durchflossene und weitgehend naturbelassene Felsenschlucht ist wegen der Felsen, des alten Baumbestandes und ihres Windungsreichtums ein Muss für jeden Pfälzerwald-Wanderer.

Das Pfälzer Bergland

Ein Adler müsste man sein! Das Pfälzer Bergland aus der Vogelperspektive muss ausschauen wie ein riesiges Mosaik der Farben. Gelb wie der Raps, goldgelb wie das Getreide, grün wie die Wiesen und Weiden. Berge, Burgen und kleine Dörfer – überragt vom Donnersberg.

Zwischen Alsenz und Glan liegt eine beeindruckende, bucklige Welt. Eine Welt aus kleinen Dörfern, munteren Bächen und einem Fleckenteppich aus Äckern, Feldern und Wiesen. Vom Nordpfälzer Bergland über die „Alte Welt“ bis zum markanten Massiv des Donnersbergs erstreckt sich ein sehenswertes Bergland. Ein echter Geheimtipp.

Ruppertsecken ist das höchstgelegene Dorf der Pfalz und liegt direkt am Donnersberg. Weit reicht der Blick in das Nordpfälzer Bergland. Eine Symphonie der schwingenden Linien.

Meisenheim am Glan hat eine sehenswerte, nahezu unzerstörte Altstadt mit größtenteils altem Mauerring zu bieten. Das Schloss der Veldenzer Grafen und Zweibrücker Herzöge stammt aus dem 14. Jahrhundert. Sehenswert ist auch die Burg Lichtenberg in Thallichtenberg. Die Anlage wurde im 12. Jahrhundert erbaut und wurde nie erobert. Sie gehörte den Veldenzer Grafen und Zweibrücker Herzögen

Rheinebene und Altrhein

Kaum zu glauben, dass der Rhein mal viele Schlingen und Schleifen geschlagen hat. Als Altrheinarme sind einige erhalten und verzaubern den Besucher mit ihrer Ursprünglichkeit. Die meist flache Rheinebene gilt als Gemüse- und Obstkammer der Pfälzer. Was unsereins auf Wochenmärkten und in Obstauslagen der Einkaufspaläste bestaunen kann, hier wird ein Teil davon vermutlich angebaut. Eissalat, Lollo Rosso, Lauch, Zwiebeln, Spinat, Broccoli, Kartoffeln, Kräuter.

Hier wächst und gedeiht, was uns gesund und fit macht. Der Spargel ist die Königin der Edelgemüse. Wo er wächst, wo die Erde sandig und tiefgründig ist, wo der Grundwasserspiegel tief liegt und sich die Erde im Frühjahr schnell erwärmt. Wo es sonnig und die Erde luftdurchlässig ist.

So wie in der Pfalz. Pfälzer Spargel ist eine Delikatesse!

(Autor: Michael Sänger, Wandermagazin, Heft: 182, 2015)