Pacific Crest Trail (USA) | Reisebericht I von Michael Döppler

Jedes Jahr aufs neue versuchen sich bis 400 erfahrene Wanderer, die sogenannte Thru-Hiker, am Pacific Crest Trail durch die Weststaaten der USA. So auch einer unserer Mitarbeiter, Michael Döppler. Erfahren Sie mehr aus erster Hand über den Pacific Crest Trail …

Pacific Crest Trail (PCT)

Der Pacific Crest Trail (PCT) ist der Name eines ungefähr 4240 Kilometer langem Fernwanderweges, der sich von der mexikanischen bis zur Kanadischen Grenze durch die Weststaaten der USA zieht. Dabei durchkreuzt die Sierra Nevada in Kalifornien und verläuft Streckenweise parallel zum John Muir Trail. Eine imposante Strecke durch zahlreiche Nationalparks der Vereinigten Staaten quer durch Kalifornien, Orgeon und Washington erwartet alle Wanderer, die sich auf den Pacific Crest Trail begeben.

 

Der PCT bildet zusammen mit dem Appalachian Trail und dem Continental Divide Trail die sogenannten Triple-Crown-Wege. Alle die im Verlauf ihres Lebens alle drei dieser Weitwanderwege erwandert haben, erhalten die begehrte Wanderauszeichnung zum „Triple-Crowner“.

Reisebericht 1 von Michael Döppler

Fast einen ganzen Monat bin ich nun schon unterwegs und habe die Zeit dabei schon ziemlich vergessen. Wie im Flug ist sie vergangen und dennoch mit kommt es so vor, als sei ich schon ewig hier.

454 Meilen, also etwa 730 km habe ich bereits auf dem Pacific Crest Trail erwandert und 2209 Meilen, also 3555 km stehen mir hoffentlich noch bevor. Der Pacific Crest Trail ist wunderschön, obwohl man mir immer wieder sagt, dass die Wüste der bisher unspektakulärste Teil des Weges ist. Ich bin also gespannt auf die Dinge, die mich noch erwarten.

Dieses Jahr (2014) ist der Trail vergleichsweise überlaufen, es wurden ganze 1300 Genehmigungen ausgestellt. Dennoch lässt sich der Trail gut in kleinen Wandergruppen begehen. Der Weg wartet mit ungezählten kleinen Überraschungen, den sogenannten Trailangels, auf. Von einer bequemen Couch für eine kurze Rast über strategisch platzierte Wasserkanistern bis hin zu Versorgungscontainern mit Nahrungsmitteln und Limonaden, mitten im Wald, ist alles dabei.

 

Das mag vielleicht etwas langweilig klingen, aber nach hunderten Kilometern des Wanderns und in Anbetracht etlicher Tage in der Hitze, lernt man das mit ganz anderen Augen zu sehen. Das Leben hier irgendwie sehr einfach, aber erfüllend. Man wacht mit der Sonne gegen 5:30 oder 6:00 auf und lauft so lange man kann oder möchte. An den besonders heißen Tagen (bis zu 46’C) wird auch mal eine Siesta eingeschoben und ein paar Stunden an einem schattigen Plätzchen gerastet oder geschlafen bis die schlimmste Hitze vorüber ist. Erst danach wird die Reise fortgesetzt bis ein schöner Schlafplatz gefunden ist.

Das Laufen an sich, bereitet mir keine Probleme, die Füße machen gut mit und ich hab kaum Beschwerden, wenngleich das erste Paar meiner Wanderschuhe ausgetauscht werden musste.

An sich ist die Wüste gar nicht so wüstenartig, sondern tatsächlich stark bewachsen und teils sogar von grün der Flora dominiert. Und es wimmelt nur so von Echsen in verschiedensten Formen, Farben und Größen. Die Fauna ist geprägt von ungezählten Vogelarten aller Farben und Formen, zudem Insekten.
Gelegentlich auch Klapperschlangen sowie verschiedene Cornsnakes. Besonders imposant sind auch die Grey Western Eichhörnchen, so groß wie kleine Katzen und zudem sehr laut. Aber die „richtige“ Wüste steht mir erst noch bevor. Denn schon bald geht es los in Richtung Mojave-Wüste!

Es sind wirklich atemberaubende Aussichten, die kein Text der Welt beschreiben kann, selbst die Fotos geben nur einen Bruchteil von dem wieder, was mir mit jedem neuen Tag auf meinem Weg begegnet

Kurzstatistik meiner Reise:

  • wärmster Tag: 46’C
  • kälteste Nacht: -2’C
  • längste Strecke an einem Tag: 31 Meilen, ca. 50 km
  • und natürlich, das beste Essen: Mexikanisch! Gibt es in jeder Stadt, die Portionen sind riesig und alles ist herrlich mit Käse überbacken! Einfach lecker!

 

Schone Grüße aus dem sonnigen Kalifornien!

Reisebericht 2 von Michael Döppler

In den letzten Tagen gab es kaum die Möglichkeit ins Netz zu kommen, daher erreichen euch meine Wanderberichte leider immer erst sehr spät.

Seit dem letzten Kurzbericht bin ich gute 230 Meilen weiter gewandert und dabei habe ich einige sehr heiße Tage sowie Unmengen Wind während der Wanderung durch die Windfarmen in der Mojave Wüste hinter mich gebracht.

Die ersten 1000 km sind bereits überwunden! Gestern war ein großer Tag für uns alle. Wir haben das Ende der Wüste erreicht und sind nun schon bei Meile 702 der Kennedy Meadows angelangt und somit die offizielle Grenze zur Sierra Nevada in Kalifornien erreicht. Das bedeutet für uns wesentlich weniger Wasser zu tragen, zugleich aber auch mehr Proviant den wir einpacken müssen, da die Region nur sehr spärlich bevölkert ist. Die Abstände zwischen den Ortschaften werden immer größer und der Aufstieg verlangsamt uns zudem.

Es geht Berg auf und noch mehr Höhenmeter warten darauf bestiegen zu werden. Den in nur wenigen Tagen werden wir bereits den Mount Whitney besteigen :). Der Mount Whitney ist ein 4421 Meter hoher Berg in Kalifornien und der höchste Berg der USA, außerhalb Alaskas. Und er liegt quasi auf unserem Weg. Es ist nur ein kleiner Umweg von circa 17 Meilen und wir sind alle gut in Form, somit der beste Zeitpunkt, um meinen ersten 4000er zu besteigen.

Schöne Grüße! Michael Döppler

Reisebericht 3 von Michael Döppler

Die Zeit hier auf dem Pacific Crest Trail verläuft etwas anders und ich habe kaum bemerkt, dass schon wieder ein Monat vorbei ist seit der letzten E-Mail!

 

Das Leben auf dem Trail ist mittlerweile zur Routine geworden und voll in Fleisch und Blut übergegangen. Leider ist das mit dem Internet-Empfang hier auf dem Trail so eine Sache, so dass ich immer seltener dazu komme euch an meinen Eindrücken teilhaben zu lassen.

 

Jetzt haben wir schon den Midpoint seit gut hunderte Meilen hinter uns gelassen und sind nach den unfassbar schönen und kühlen High Sierras wieder zurück in die trockene Hitze Nord-Kaliforniens gewandert. Seither steigt der Grad der Anstrengung. Nach all den Meilen herrscht (zumindest bei mir und den Leuten um mich) meist die Einstellung „egal was kommt, wir haben bereits schlimmeres erlebt“ und es scheint auch tatsächlich so zu sein. Die schlimmsten Hürden auf dem Weg sind hinter uns gelassen.

Am 20. Juli habe ich die erste Staatengrenze von Kalifornien nach Oregon überschritten, was hier auf dem PCT als ziemlicher Meilenstein gilt und Oregon als gelobtes Land angesehen wird (zumindest für uns thru-hiker).

Das Wetter wird angenehmer und kühler. Der Weg ist immer wieder gesäumt durch bewaldete Abschnitte, welche sogar etwas Schatten spenden. Besonders die kalten Nächte sind sehr viel erholsamer als zuvor und man kann sich endlich schön in den Schlafsack mummeln. Im Schattigen Wald zu laufen war tatsächlich wunderbar und es gab nur wenige exponierte Strecken in den man der Sonne erbarmungslos ausgeliefert war.

Das Gelände ist zudem sehr viel flacher als Streckenabschnitte zuvor und es geht immer wieder bergab :D. Auch die Wasser-Situation hat sich erheblich verbessert. Zwar sprudeln hier nicht alle zehn Meter Frischwasserquellen aus dem Boden, wie es in Sierras der Fall war, aber dafür gibt es unzählige Seen und Bäche. Einziger Nachteil sind die Mückenplagen, die dem ein oder der anderen schon den Abend vermiest haben.

Einige Leute versuchen sich an 50ern, d .h. 80 km plus an einem Tag zurückzulegen. Mein längster Wandertag war bisher „nur“ 37 Meilen, das sind circa 60km. Allerdings sind wir eigentlich fast jeden vollen Wandertag um die 35 Meilen, also ungefähr 55 km, weit gelaufen, was in diesem Gelände wirklich gut machbar war.

 

Oregon ist aber eben nur gut 450 Meilen lang, so steht uns jetzt Washington, der letzte der Staaten auf dem Weg voraus. Nach all den Bäumen freue ich mich auch schon sehr drauf endlich wieder in die Berge zu kommen und die Goat Rock Wilderness zu sehen!

Leider kann ich ohne Computer keine Bilder anhängen, aber das werde ich irgendwie nachholen sobald ich die Möglichkeit dazu habe.

 

Die allerbesten Grüße und bis bald!
Michael Döppler

 

Weitere Bilder Michaels Fernwanderung findet Ihr hier!