Outdoortipp | Kanutour durch das urtümlich West-Värmland

Schweden ist bekannt für seine urtümliche Wildnis und malerischen Naturlandschaften. In diesem Reisebericht begleitet Ihr uns auf unserer Kanutour durch das West-Värmland in Schweden …

Outdoordestination Schweden

Schweden grenzt sowohl an Norwegen, Finnland und an die Ostsee. Das Land verfügt über eine Fläche von circa 450.000 Quadratkilometern auf der gerade mal annährend 10 Millionen Einwohner leben. Zu den am stärksten bevölkerten Ballungszentren zählen die Hauptstadt Stockholm, Göteborg oder auch Malmö. Rund um diese Städte lebt circa ein Viertel der schwedischen Bevölkerung. Damit ist das weitläufige, durch diverse Naturreservate geprägte Land insgesamt nur sehr schwach besiedelt und damit geradezu ideal, um abseits touristischer Massen die Natur zu erleben.

Wenngleich Schweden der EU angehört ist das Land nicht Teil der Währungsunion, sodass Reisende gut beraten sind, noch vor Reisebeginn einige Euros in die hiesige Währung (Schwedische Kronen) umzutauschen. An sich kann in Schweden aber so gut wie überall auch bargeldlos, also beispielsweise mit Kreditkarte, bezahlt werden.

Das Allemansrätt (Jedermannsrecht) in Schweden

Dank des in Schweden geltenden Allemansrätt, zu Deutsch: Jedermannsrecht, ist es in Schweden gestattet, sich frei durch die Natur zu bewegen und sein Nachtlager in angemessener Entfernung zum Privatbesitz der Einheimischen aufzuschlagen. Zum Allemansrätt gehört auch das Recht, wild wachsende Beeren und Pilze zu pflücken, Feuerholz zu sammeln sowie an Lagerstätten ein Lagerfeuer zu entzünden.  Letzteres jedoch nur so lange, wenn nicht aufgrund lang anhaltender Dürre ein allgemeines Feuerverbot verordnet wird!

Zum Allemansrätt gehört aber gleichzeitig auch die Verpflichtung, die Natur nicht zu schädigen, d. h. bspw. keinen Müll zu hinterlassen! Das Jedermannsrecht findet nicht nur Schweden, sondern auch in Finnland, Norwegen, Schottland und Schweiz mit teils abweichenden Verklausoleirungen Anwendung.

Kanot & Turistcenter Arvika

Das Kanot & Turistcenter Arvika bietet eine Reihe verschiedener Outdooraktivitäten an. Neben dem hauseigenen Hochseilgarten befindet sich ein Fahrrad- und Mountainbikeverleih direkt vor Ort. Auch hier erhaltet Ihr Informationen und Karten zu den besten Wanderwegen, Rad- und Mountainbiketrails. Gleich daneben, zwischen dem nahe gelegenen Campingplatz und dem Touristcenter befindet sich zudem eine Minigolfanlage.

Neben dem Kanuverleih werden für Kanuten auf Wunsch auch Essenpakete und die entsprechende Ausrüstung für die Outdoorküche bereitgestellt. Die durch das Turistcenter empfohlenen Kanutouren werden in Nordtouren und südliche Kanurouten unterteilt. Die von uns gewählte Glaskogen-Tour zählt zu den Südrouten.

Glaskogen-Tour

Die Glaskogen-Tour ist als eine mittel bis schwere Kanutour klassifiziert, die sich besonders für jene eignet, die ein Stück weit die Einsamkeit in der Wildnis suchen. Die Tour führt durch das Naturschutzgebiet von Glaskogen, welches von weiten Wäldern und glasklaren Seen umgeben ist. Im Glaskogen Naturschutzgebiet gibt es insgesamt 80 Seen, von denen einige auf der Tour mit dem Kanu befahren werden. Zudem bietet der Glaskogen gute Angelmöglichkeiten, Angelschein vorausgesetzt.

Das folgende Video des Kanot & Turistcenter Arvika gibt einen kleinen Einblick in die Glaskogen-Tour:

1. Tag: Arvika bis zur Insel Hungviksön

Nach einer beschwerlichen, über mehr als 16 Stunden dauernden Autofahrt bis zum Kanot & Touristcenter Arvika breitete sich endlich der blaue, sich spiegelnde Glafsfjorden vor uns aus. Gleich nach der Einweisung durch die freundlichen Mitarbeiter des Touristcenters konnte die Kanutour auch schon beginnen.

Begleitet von den wärmenden Strahlen der bereits heraufgezogenen Nachmittagssonne ging es hinaus auf den seicht sich zu allen Seiten hin erstreckenden Glafsfjorden. Der Glafsfjorden ist ein Binnensee in West-Värmland mit einer Fläche von insgesamt 100 km² und einer Tiefe von bis zu 36 Metern, der für diverse Wassersportaktivitäten genutzt wird. Die weitflächige Ausdehnung des Glafsfjorden bietet reichlich Angriffsfläche für Wind und begünstigt somit auch das Aufkommen von teils ungemütlich hohen Wellen. Doch an unserem ersten Tag war der See uns gewogen und gewährte uns die für den Einstieg geplante kurze Überfahrt bis zu der idyllischen Insel Hungviksön.

Mit im Gepäck und damit auf seinem ersten Langzeittest, unserer MSR Hubba Hubba 2-Personenzelt im Geodätenaufbau, welches wir dank des geltenden Allemansrätt am wildromantischen Ufer von Hungviksön aufschlagen durften.

2. Tag: Insel Hungviksön bis Tångeberg

Gleich am zweiten Tag zeigte sich der Glafsfjorden jedoch mehr und mehr von seiner rauen Seite. Wind, wie auch der zunehmend stärker werdende Wellengang, zwangen uns zu einem außerplanmäßigen Zwischenstopp in einer der Buchten.

Als sich der Wind am frühen Nachmittag allmählich abschwächte, konnte die Tour fortgesetzt werden. Durch die Verzögerung , war das ursprünglich geplante Tagesziel aber nicht mehr zu erreichen, sodass wir die Nacht auf dem liebevoll geführten und sehr gut gepflegten Sölje Campingplatz bei Tångeberg verbrachten.

3. Tag: Von Tångeberg bis ins Naturreservat Glaskogen

Vom Campingplatz Tångeberg trennten uns nur wenige Paddelschläge über den Stora Lesjör bis zur ersten längeren Portage. Die knapp viereinhalb Kilometer mit den auf Kanuwagen aufgespannten Kanus erforderten nicht nur ein gewisses Maß an Körperkraft, sondern auch die passende Wanderbekleidung sowie Schuhwerk. Der beschwerliche Weg wurde jedoch sogleich mit der atemberaubenden Natur des dem geschützten Naturreservats noch vorgelagerten Seen Kolsjön und Glaåkern belohnt. Stille, seichte Seen, Seerosen und von Wind, Wetter sowie der Zeit glatt geschliffene Felsformationen werden hier zu einem sich schier endlos ausbreitenden Naturpanorama vereint.

An einem der ufernah gelegenen Shelter, mit Blick auf den im Naturschutzgebiet Glaskogen gelegenen See Stora Gla, wurde schließlich unser drittes Nachtlager aufgeschlagen.

4. Tag: Stora Gla bis Övre Gla

Entgegen unseren Befürchtungen konnten auch trotz der lang anhaltenden Dürre, die in weiten Teilen Schwedens, die vielen Waldbrände begünstigt hatte, in den schattigen Tiefen der Nadelwälder die berühmten, ansonsten allerorts wild wachsenden, Blaubeeren gesammelt werden. Um fündig zu werden, muss man sich auch zu Dürrezeiten einfach nur tief genung in die Wälder vorwagen.

5. Tag: Övre Gla bis Älgåfjorden

Die Tage zuvor hatte vor allem die Arm- und Schultermuskulatur beansprucht. Nun aber, auf der Strecke von Övre Gla bis zum Älgåfjorden, einem nordwestlichen Ausläufer des Glafsfjorden, waren es vor allem die Beine. Die Portage von Övre Gla bis zum Gränsjorn und von dort aus weiter zum Södra Örsjön verliefen noch Recht einfach, dass letzte Portagestück bis zurück zum Älgåfjorden hingegen, darf zu Recht als beschwerlich beschrieben werden. Eigentlich hätte hier unsere Tour enden können, denn vom Älgåfjorden aus sind es vielleicht gerademal zwei bis drei Stunden, bis man das Kanot & Touristcenter Arvika, unseren Startpunkt, erreicht. Anstelle jedoch unsere Tour hier enden zu lassen, steuerten wir einen Shelter am Ufer des Älgåfjorden an und schlugen unser 5. Nachtlager in der Natur Schwendens auf.

6. Tag: Älgåfjorden bis zum Kanot & Touristiccenter Arvika

Die Natur Schwedens ist ebenso schön, wie unberechenbar. Kaum, dass wir das Nachtlager am Folgetag abgebrochen und die Kanus beladen hatten, peitschte auch schon der Wind erneut die Wellen auf, sodass an ein Auslaufen nicht zu denken war. Kurz darauf wurden von den zunehmend stärker werdenden Böen die ersten Bäume umgerissen. Kurzerhand wurden alle Kanuten, die noch am selben Tag planmäßig ihre Tour beenden mussten vom Kanot & Touristcenter Arvika mit Taxis zurück zu ihrem Startpunkt transportiert.

Resümee

Wer einen Outdoortrip in sagenhaft schöne Naturlandschaften gepaart mit teils anspruchsvoller körperlicher Aktivität sowie vielleicht einem kleinen Stück Nervenkitzel interessiert ist, findet in Schweden, insbesondere in der Natur rund um Arvika, garantiert, wonach er sucht.

Auch das Kanot & Touristcenter Arvika ist mit seinen vielen freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie dem hervorragenden Service bestens zu empfehlen und dies sowohl für Einsteiger als auch bereits erfahrene Kanuten.

 

Was braucht es für eine mehrtägige Kanutour?

Die Kanus, zumindest jene, die vom Kanot & Touristcenter Arvika verliehen werden, haben eine Traglast von maximal 500 Kilogramm. Ausreichend Traglast also, um unglaublich viel Proviant sowie Ausrüstung mit zunehmen. Dennoch, auch auf einer Kanutour ist weniger, oftmals mehr! Denn die Kanus müssen nicht selten über steile und teils unwegsame Pfade portiert werden. Daher beschränken wir uns im Folgenden auf die essenziellen Dinge, die in jedem Fall auf einer mehrtägigen Kanutour nicht fehlen sollten.

Leichtgewichtiges Trekkingzelt

Da nicht an jeder Anlegestelle auch ein Shelter zu finden ist und die Shelter nicht selten von einer vorausfahrenden Gruppe besetzt sein können, empfiehlt es sich in jedem Fall ein leichtgewichtiges Trekkingzelt dabei zu haben.

Uns hat bspw. das Hubba Hubba 2-Personen-Trekkingzelt der Marke MSR beste Dienste geleistet.

Wasserdichte Packsäcke

Zum wasserdichten Verstauen von Bekleidung und Ausrüstung empfiehlt sich einen wasserdichten Packsack bzw. je nach bedarf mehrere wasserdichte Packsäcke.

Schnell trocknende Funktionsbekleidung

Ganz wichtig, lieber weniger Bekleidung mitnehmen und dafür in jedem Fall schnell trocknende Funktionsbekleidung zu wählen, d. h. Unterwäsche, Hosen, Shirts sowie ein wärmendes Oberteil. Reguläre Baumwollekleidung mag viele Vorteile haben, kann aber in den kurzen Rastphasen zwischen den einzelnen Etappen nicht schnell genug trocknen, sollte diese einmal nass geworden sein oder gewaschen werden.

Regenjacke oder Regenponcho

Da das Wetter im Norden, so auch im Schweden sich gerne mal von seiner wechselhaften Seite zeigt, darf auch eine leichtgewichtige Regenjacke oder einen Regenponcho nicht fehlen.

Wassersportschuhe

Insbesondere beim An- und Ablegen erweisen sich schnell trocknende Wassersportschuhe mit einer rutschfesten Sohle als sehr vorteilhaft.

Wasserkanister

Das Wasser in Schweden ist wirklich ausgezeichnet und kann bedenklos ohne vorgehende Filtration genossen werden. Es empfiehlt sich jedoch das Wasser mit Wasserkanistern noch während der Fahrt, d. h. dort zu schöpfen, wo die Seen sehr klar und tief sind.

Axt oder Säge

Schließlich darf auch eine Axt und oder Säge im Gepäck nicht fehlen. Ohne das passende Handwerkzeug währe gerade nach den starken Winden und den vielen umgestürzten Bäumen eine Portage an vielen Stellen unmöglich gewesen!

Sturmkocher

Für die Stärkung des leiblichen Wohls sollte auch ein Sturm- bzw. Outdoor- oder Campingkocher nicht fehlen. Hier haben uns die benutzerfreundlichen Sturmkocher der Marke Trangia einen Bärendienst erwiesen. Die Verwendung von Campingkochern hängt jedoch von der aktuellen Wetterlage ab. Herrscht extreme Waldbrandgefahr, ist die Verwendung derselben untersagt. In diesem Fall sind die flammlosen Kocher der Marke BaroCook sehr zu empfehlen.

Worauf man gern verzichten kann...

Entgegen der oft anzutreffenden Befürchtung ist Schweden gar nicht so sehr von Mückenplagen heimgesucht, wie es die meisten meinen. Insektenschutzmittel können, müssen aber nicht unbedingt mitgenommen werden.